Sperrmüll

Ich war nicht draußen, heute. Das geht eigentlich nicht, das war so nicht abgemacht. Die Stadt fängt zu leben an, nach zwei Monaten, da bin ich mir ziemlich sicher, ich seh doch, wie der Sperrmüllberg gegenüber immer größer wird.

Heute läuft die Lokalpresse die Fakultäten ab, es ist Lange Nacht der Wissenschaften und am Hafen sitzen Surferstylehippiehipsterstudies und schauen »irgendwelche Filme von irgendwelchen Filmemachern«, was ich mitunter für den besten Claim für ein Filmfestival halte, das in einer Stadt ausgerichtet wird, die nicht Berlin ist und somit – Kausalität! – kulturell-bemühtes Brachland, sprich: Provinz. Ich fühl mich auch mal wieder so richtig schön provinziell, sowas kommt phasenweise und ist irgendwie auch surreal. Im Grunde weiß ich ja gar nicht, was es bedeutet, sich nicht-provinziell zu fühlen. Eben war schon wieder die Silbermöwe da, die besucht den Sperrmüll, seit Tagen schon. Meistens pickt sie Schränke an, Teppiche und Friseurbedarf. Ich glaub, die ist stur, bin ich aber auch und ich denk mir: Ja, dann bin ich halt nicht in Berlin, aber hier so mega fancy Zeug mit Sperrmüll, das kann ich auch. Nur halt nicht heute. War ja nicht draußen. Hat aber auch einmal gedonnert und ich bin jetzt nicht so der Gewittertyp.