Motte

In der Nacht liege ich wach. Eine Motte sucht das Licht. Sie hat sich die Tapete über dem Kopfteil des Bettes ausgesucht dafür. Mondstreifen dekorieren die Wand.

Die Motte fliegt, die Motte kratzt, zwischen ihr und der Raufasertapete blitzt es, der Ton: elektrische Spielzeugeisenbahn, maximal zehn Volt. Ein annehmbarer Vergleich, korrekt nicht ganz und vor allem nicht komplett. (Welches Modell? Die Eisenbahn während der Fahrt oder nur das Geräusch beim Aufsetzen auf die Schienen? Der Moment, wenn der Schalter auf »On« gestellt wird und sich für einen Moment die Spannung überschlägt?) In meinem Kopf ist das Geräusch klar, das Aussprechen aber schafft eine Wirklichkeit, die nicht mehr meine ist. Sobald ich das Bild in Worte fasse, entfremdet es sich von mir. Freude und Bestrafung in einem Gedankengang, Sprache als ultimatives Hindernis, doch schweigte ich, würde ich stumm. Dann lieber an falschen Versprechungen kratzen, nachts, im Flug.

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