Pflockflötchenmarkt

Der Junge geht mir bis zur Brust, er ist einer von der Sorte »Oh, du Hübscher, hier hast du nen Fünfer, geh dir kaufen, was immer dich glücklich macht«.

Als er eine Brotdose aus seinem Ranzen zieht und neben dem Busfahrer anfängt, ein Schokobrötchen zu essen, wird ihm – ungläubig zwar – aber bereitwillig Platz gemacht. Während er isst und im ungleichmäßigen Takt des Busses schwankt, leuchten seine Augen. Ich drehe mich um, schaue ins Businnere. Unter den Schülermassen kann ich mich nicht finden. Hier steht niemand auf und reicht dem Jungen ein Taschentuch, weil es klar ist, dass das nicht gut gehen kann mit der Schoko, seinen Händen und der Haltestange. Für einen Moment habe ich wieder einen Scout-Ranzen auf dem Rücken, komme nicht hinterher mit den Eindrücken um mich und vor allem nicht mit meinen Klassenkameraden, die ständig unüberlegte Dinge tun, was ich nicht verstehe, denn sie zu vermeiden wäre leicht. Der Bus biegt um die Ecke, scharf. Auf einem Banner über einer Einkaufsstraße lese ich »Pflockflötchenmarkt«. Der Busfahrer sagt: »Steigen Sie hinten ein.« Dann höre ich ihn nicht mehr, die Musik ist laut, ich starre auf die Straße, die mich an so viel erinnert und gleichzeitig an nichts. Als der Bus am Bahnhof hält, merke ich, dass der Junge nicht mehr da ist und die Haltestange sauber.

3 Antworten auf „Pflockflötchenmarkt“

  1. Hi David, hab vielen Dank, das ist ja schön! Und auch deine Beschreibung zu meinen Notizen haben mich wahnsinnig gefreut 🙂 Mal schauen, was ich daraus mache. LG Melanie

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