schiff kommt

als ich sie sehe, denke ich an die muppets. an rizzo, die ratte. die mit dem naiv-humorigen pechvogel-charme und der nervigen stimme. ich denke an ihre rolle als sidekick von charles dickens, gespielt von gonzo, in „die muppets weihnachtsgeschichte“. ich frage mich, warum ich die fernsehpuppe rein formästhetisch nicht trennen kann von dem, was ich eigentlich sehe, wenn ich auf die gleichmäßige fläche der spree schaue, die sich nicht drängen lässt, nicht vom ausbleibenden regen („riechste? schon wieder gekippt, wa“) und nicht von den ausflugsschiffen, wie den touristenlethargischen mit der aufschrift „hop on hop off“, bei denen ich gerne den zusatz „bitte nicht wörtlich nehmen“ drunter sprayen würde. und auch nicht von den restaurantschiffen mit den kinderbunten lettern an den außenwänden, als wartete im schiffsinneren kein ausgetretener teppichboden, kiefernholz-stühle mit leicht vergilbten sitzpolstern (in der annäherung rötlich) und schnitzel wiener art auf einen sondern sicherheitszertifizierte indoor-spielplätze, namentlich bellevue, charlottenburg und spreekrone. mein kopf gibt mir rätsel auf und ich bin mir nicht sicher, ob die abwesenheit von ekel etwas mit meiner mediensozialisation oder mit empirischem interesse zu tun hat. stumm blicke ich auf den aufgeblähten kleinen körper, folge den blauen adern, die dick verschnürt den bauch zusammenhalten. die vorderzähne ragen spitz-gelblich aus dem wasser. verkrampft spreizen sich die extremitäten ab vom rumpf. der schwanz ganz prall, selten gesehen so etwas. ich könnte sie aus dem wasser fischen und ein wenig puppentheater spielen. bisschen benn zitieren, was google so hergibt und der frau mit dem praktikablen kurzhaarschnitt zuwinken, deren hund regelmäßig an der gleichen stelle im trockenen gras schnüffeln muss, nämlich genau da, wo ich sitze. ratte nach hund werfen. oder nach den schiffen. kann mich nicht so ganz entscheiden. aber hat auch keine eile. ich packe die ratte ein und warte auf die nebelkrähe, die mit dem schnabel nach unten seit ein paar tagen immer wieder an mir vorbeitreibt. die spree brandet gegen meine uferkante, schiff kommt.