Poetologische Notiz (Studies VI)

Vanitas Wedding/Moabit © Huber

du kannst alles tun, was ich bin
am ende geißle ich trotzdem deine interpunktion, weil es eben
doch nur ein du und immer nur ein ich geben kann. dabei
misstraue ich dem du; mein verhältnis zum ich ist klar
für den hunger verschlinge ich zu gerne dein wir.

ein er, eine sie, eine sie, ein er
irgendwas daran erklären, das morgen keinen bestand mehr hat
bei aller liebe zum narrativ: das funktioniert so nicht. meine welt ist
auf filmischen sümpfen gebaut, hier bist du ein du und ich
das führende ich. oder du mein ich und ich dein du,
hab ja auch nichts gegen einen switch. kommst du vorbei, mach ichs
uns gemütlich, mach ichs uns warm. willst du was mit mir
zu tun haben, musst du dich darauf einlassen. und wenn du am ende
nicht gehst, gehe ich für dich. dann folgt satz auf satz
ein immer lauter werdender schrei, dann schreie ich in ICH
und es ist mir gleich, was er denkt oder sie oder ihr. bis ich wieder
zahm werde in mir, mich in meinen sümpfen versenke, und ein nächstes mich reizt.

bleibst du über, ist das dein versehen.