Schlagwort: Café

Samstags in der Reihe 2

Sie sitzt an einem Tisch rechts außen neben der Küche des vietnamesischen Imbisses. Es ist Mittagszeit, vor ihr liegt eine Tüte Münzgeld. In etwa gleich gefüllt sind da auch drei Plastikschälchen. Routiniert stippt sie die Münzen auf die nachgiebigen Tellerchen. Es klingelt und ratscht bis unter die spitz zulaufende Decke; schnell fügt sich der rhythmische Sound in den samstäglichen Markthallenbeat. Umgeben von verblichen bezogenen, dunkel-schweren Stühlen wirkt sie – mit ihrem Kochhut auf dem Kopf und der Schürze um den Leib – wie eine mittelständische Variante von Aschenputtel, dem die grimm’schen Tauben pragmatischere Geschenke gemacht haben als schöne Kleider und goldene Pantoffel.

Ihr Blick hebt sich, ab und an, zur Begrüßung von Stammgästen oder ins Leere, da, wo einmal der Stand von Fleischer Hoffmann war. Sie sieht rot eingefasste, weiße Fliesen und einen vergessenen Boiler. Unter wärmenden Strahlern stehen lose auf eine Linie gestellt weiße Stühle, gehalten im modernen Interieur-Stil französisch-konnotierter Kaffeehäuser. Dazu der Hinweis, es werde bald wieder Fleisch geben und auch vom Lande, ja, aus Brandenburg. Von Zugluft geleitet, weht der plastikrote Fleischervorhang rüber zum Ausgangsbereich von Norma.

Hey Chefin, ruft da der Caffè-Betreiber, seine Handflächen gespreizt auf der hohen Glastheke. Wie bereit zum Hürdensprung, lehnt er sich vor und sagt zur münzsortierenden Frau: Alles gut? Und: Kannst mir alles geben. Dabei grinst er, geübt, der alltägliche Gruß. Sie schaut auf die Münzen, dann nickt sie, nachbarschaftlich.

12:56 Uhr
Berlin, Arminius-Markthalle

– Es geht nicht mehr. Ich muss abnehmen. Ich habe jetzt einen Trick.
– Welchen?
– Wenn ich Schokolade esse, also Duplo vielleicht, beiße ich ein Stück ab und dann lege ich den Rest weg. Ganz weit weg. Ich wohne im zweiten Stock, ich laufe dann oft runter und lege das Duplo in den Briefkasten, und hole es erst am nächsten Tag wieder raus.
– Ach…