Beim Akupunkteur

Die Tür des Behandlungszimmer 2 geht auf, eine Frauenstimme sagt: Sie können Ihre Hose hier ablegen. Die Tür wird geschlossen. Jemand schnauft. Eine Gürtelschnalle ist zu hören, dann ein Beugen, ein Ächzen. Die Atmung ist laut und männlich. Der Gürtel berührt einen der metallenen Pfosten des Ablagestuhls. Der Mann setzt sich auf die Behandlungsliege mit dem Loch am Kopfende, das Ärztekrepp verrutscht, es knistert über dem PVC-Leder.

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16:32 Uhr, Bahnhof Hannover-Nordstadt

Am Nordstadtbahnhof springt die Fußgängerampel auf grün. Eine Brücke beschreibt hier ihre höchste Stelle, sie trennt die Nordstadt von Hainholz, die Stadt von der Vorstadt. Zwei Fußgänger überqueren die Straße.

Sie kehren der Stadt den Rücken. Beide tragen verwaschene Jeans und alte Bomberjacken, der Mann hat eine schwarze Mütze auf. Die Frau ist blondiert, auffälliger Ansatz. Beide haben eine Flasche Bier in der Hand. Sie schreien. Der Wind trägt Urlaute durch die Vorstadt. Sie gehen schnell, er gebückt federnd, sie aufrecht stapfend. Eine Frau mit Kinderwagen und Kind drängt sich an das abschüssige Gestrüpp am Gehwegrand, in dem Passanten sich gerne erleichtern. Das schreiende Paar passiert, ohne davon Notiz zu nehmen. Sie biegen in die Petersstr. ein. Er ruft: „….weil ich dich jeden Tag mehr und mehr liebe.“

Erstveröffentlicht auf Stadtnotizen.

5:19 Uhr, Hannover Aegidientorplatz

Auf der ersten Ebene der unterirdischen Haltestelle am Aegidientorplatz stehen vereinzelt Menschen. Sie schweigen. Vorne am Bahnsteig in Richtung Stadtmitte steht ein älterer Mann in einer jägergrünen Jacke. Er starrt einen weißen Fleck auf dem Ziegelstein-Boden an. Dann schabt er mit seiner rechten Turnschuhspitze mehrfach über den Fleck. Der Fleck bleibt. Der Mann zieht seinen Fuß zurück.

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