Schlagwort: Rostock

Kleine Welt

 

 

Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, man muss sich schon entscheiden, wo man sitzt. An der holzvertäfelten Innenwand der Fahrgastkabine hängt eine 40×50 cm große Leinwand, bunte Striche sind zu erkennen und knuffig-grinsende Kreise.

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Sperrmüll

Ich war nicht draußen, heute. Das geht eigentlich nicht, das war so nicht abgemacht. Die Stadt fängt zu leben an, nach zwei Monaten, da bin ich mir ziemlich sicher, ich seh doch, wie der Sperrmüllberg gegenüber immer größer wird.

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»leninisstillaround.com« ist auf einem Sticker zu lesen, der an einer alten Sicherheitstür klebt. Die Tür befindet sich im Sockel einer 20 Meter hohen Bronzeskulptur, es ist die größte der Stadt.

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ich steh am ufer der warnow, seh schwäne auf ihr treiben und dosenbier; wirkt ja alles bisschen zu gewollt am rand dieses halbgentrifizierten tourihafens (hinter mir ne leere flasche »berliner luft«, so als statement) und während ich da stehe und sehe, wie einer der schwäne guckt (wie schwäne halt gucken), stelle ich fest, dass zwischen dem letzten schnee und dem ersten sommertag gerade einmal vier oder fünf tage vergangen sind und egal, wie ich es angehe, darauf komm ich nicht klar, das raff ich nicht; ich im schnee, fast knietief, wie ich mit dir zum bahnhof stapfe, dir tschüss sage, obwohl ich das gar nicht will und dann ich, sitzend auf einer bank am wasser, zwei bücher gleichzeitig lesend, eins, das im deutschlandfunk vorgestellt wurde und eins, das mir eine freundin empfohlen hat und die sich auf so einer verschrobenen ebene ergänzen, denn das eine handelt von einer französischen 50er-jahre-provinzjugend mit masturbationsproblemen und das andere von einem verkopften 14-jährigen im ddr-ferienlager, aber kurz vor mauerfall halt. ich geh kaputt, das denk ich so, laut aussprechen würd ichs nicht; letztens hab ich in gegenwart eines kleinkindes dreimal »scheiße« gesagt und jetzt wird einfach gar nichts mehr gut. ich häng so in den seilen, vier tage zwischen winter und sommer, die selbstzweifel haben das wetter überstanden – die überstehen alles, so ätzende widerstandsfähige pickel, pickel sind das ätzendste – und kurz überleg ich, wie ich das dosenbier aus der warnow fischen könnte, den schwänen zuliebe. dann fällt mir aber ein, dass ich immer falle. hat bislang keiner mitbekommen, was ein glück, ich falle nämlich ständig. also lass ich es und versuch das einfach zu ignorieren, das bier, den schwan, den schnee und dass ich schon wieder nichts brauchbares erlebt habe. was gelogen ist, ich erleb ständig zeug. etwa am denkmal für die revolutionären matrosen gleich nebenan, bei dem es 2016 noch hieß, bis zum stadtjubiläum diesen juni sei es saniert, ja, ich finds cool so, riecht halt, erzähl ich aber ein andermal, vielleicht. 🔖 #60tagerostock

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Fliegende Fische

»Alles im Leben hat seine Zeit« ist in schwarzem Graffito auf der Fahrerseite des Autos zu lesen, das auf einer eingezäunten Brachfläche neben der S-Bahn-Haltestelle Marienehe steht. Vermutlich ist es ein Ford Capri, zweite Generation. Das Metallic Grau schon abgestumpft; von der langen Schnauze über das flache Dach bis hin zum kurzen Heck ziehen sich zwei blaue Streifen. Da wollte einmal jemand Rennfahrer sein, auf der Überholspur des Lebens, auch dafür braucht es Zeit.

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Wochenendeinkauf

Auf dem Innenhof der früheren Bezirksverwaltung der Staatssicherheit gibt es Parkplätze und einen Supermarkt. Darauf weisen zwei Schilder hinter den Gebäuden des Land- und Arbeitsgerichtes hin: »ehem. Stasi-U-Haft« und »Penny«.

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