Schlagwort: Sommer

Studies IV

Moabit, Mai 2020

Studies III

Moabit, Mai 2020

Studies II

Moabit, Mai 2020

Studies I

Moabit, Mai 2020

Heimatstadt, ein Tag

Haben Sie etwas Kleingeld? Ich muss das wechseln. Wenn Ihnen
jemand eine Rose schenkt ist das der blaue Himmel
du willst dich setzen hier der Schatten eines Baumes mir bleibt
die Sonne ein Jogger läuft nah am Wasser; wenn man am Fluss sitzt und nicht drüber schleicht ist er kristallklar

Kinder schreien Wind durch dein Haar
rundherum liegen fleischige Berge
ein Boot fährt 2x
Kassen klingeln in der Bahnhofstraße wir trinken
die Rathauszeiger ticken wir trotten
Altstadt weißer Brunnen Fröschengasse

Wärme rieselt aus deiner Hand
krabbelt in meine vermengt die Stadt
Haltestellenfieber
zwei blauweiße Würmer ein schneller Kuss
du in die eine ich in die andere und heute weiß ich
das war unser letzter Tag

zuerst (so ähnlich) erschienen in „Gedichtekarussell“, Heft 2, August 2008, Thema: Stadt. Redaktion: Monika Haake, Torsten Voßberg, David Damm.

schiff kommt

als ich sie sehe, denke ich an die muppets. an rizzo, die ratte. die mit dem naiv-humorigen pechvogel-charme und der nervigen stimme. ich denke an ihre rolle als sidekick von charles dickens, gespielt von gonzo, in „die muppets weihnachtsgeschichte“. ich frage mich, warum ich die fernsehpuppe rein formästhetisch nicht trennen kann von dem, was ich eigentlich sehe, wenn ich auf die gleichmäßige fläche der spree schaue, die sich nicht drängen lässt, nicht vom ausbleibenden regen („riechste? schon wieder gekippt, wa“) und nicht von den ausflugsschiffen, wie den touristenlethargischen mit der aufschrift „hop on hop off“, bei denen ich gerne den zusatz „bitte nicht wörtlich nehmen“ drunter sprayen würde. und auch nicht von den restaurantschiffen mit den kinderbunten lettern an den außenwänden, als wartete im schiffsinneren kein ausgetretener teppichboden, kiefernholz-stühle mit leicht vergilbten sitzpolstern (in der annäherung rötlich) und schnitzel wiener art auf einen sondern sicherheitszertifizierte indoor-spielplätze, namentlich bellevue, charlottenburg und spreekrone. mein kopf gibt mir rätsel auf und ich bin mir nicht sicher, ob die abwesenheit von ekel etwas mit meiner mediensozialisation oder mit empirischem interesse zu tun hat. stumm blicke ich auf den aufgeblähten kleinen körper, folge den blauen adern, die dick verschnürt den bauch zusammenhalten. die vorderzähne ragen spitz-gelblich aus dem wasser. verkrampft spreizen sich die extremitäten ab vom rumpf. der schwanz ganz prall, selten gesehen so etwas. ich könnte sie aus dem wasser fischen und ein wenig puppentheater spielen. bisschen benn zitieren, was google so hergibt und der frau mit dem praktikablen kurzhaarschnitt zuwinken, deren hund regelmäßig an der gleichen stelle im trockenen gras schnüffeln muss, nämlich genau da, wo ich sitze. ratte nach hund werfen. oder nach den schiffen. kann mich nicht so ganz entscheiden. aber hat auch keine eile. ich packe die ratte ein und warte auf die nebelkrähe, die mit dem schnabel nach unten seit ein paar tagen immer wieder an mir vorbeitreibt. die spree brandet gegen meine uferkante, schiff kommt.

Fördebaden

Nachdem der Rettungsschwimmer die Feuerqualle entdeckt hatte – »Hier, äh, Vorsicht, ne?« – ging es den ganzen Abend um nichts anderes.

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Dreimal um Zypern

Dreimal müsste man den Aphrodite-Felsen gemeinsam umschwimmen, dreimal für die ewige Liebe. Denn hier, am Strand von Petra tou Romiou, sei einst die Liebesgöttin dem Meer entstiegen. Das erzählen die Zyprer, sie erzählen es mit klarem Blick und einem Lächeln auf den Lippen.

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ich steh am ufer der warnow, seh schwäne auf ihr treiben und dosenbier; wirkt ja alles bisschen zu gewollt am rand dieses halbgentrifizierten tourihafens (hinter mir ne leere flasche »berliner luft«, so als statement) und während ich da stehe und sehe, wie einer der schwäne guckt (wie schwäne halt gucken), stelle ich fest, dass zwischen dem letzten schnee und dem ersten sommertag gerade einmal vier oder fünf tage vergangen sind und egal, wie ich es angehe, darauf komm ich nicht klar, das raff ich nicht; ich im schnee, fast knietief, wie ich mit dir zum bahnhof stapfe, dir tschüss sage, obwohl ich das gar nicht will und dann ich, sitzend auf einer bank am wasser, zwei bücher gleichzeitig lesend, eins, das im deutschlandfunk vorgestellt wurde und eins, das mir eine freundin empfohlen hat und die sich auf so einer verschrobenen ebene ergänzen, denn das eine handelt von einer französischen 50er-jahre-provinzjugend mit masturbationsproblemen und das andere von einem verkopften 14-jährigen im ddr-ferienlager, aber kurz vor mauerfall halt. ich geh kaputt, das denk ich so, laut aussprechen würd ichs nicht; letztens hab ich in gegenwart eines kleinkindes dreimal »scheiße« gesagt und jetzt wird einfach gar nichts mehr gut. ich häng so in den seilen, vier tage zwischen winter und sommer, die selbstzweifel haben das wetter überstanden – die überstehen alles, so ätzende widerstandsfähige pickel, pickel sind das ätzendste – und kurz überleg ich, wie ich das dosenbier aus der warnow fischen könnte, den schwänen zuliebe. dann fällt mir aber ein, dass ich immer falle. hat bislang keiner mitbekommen, was ein glück, ich falle nämlich ständig. also lass ich es und versuch das einfach zu ignorieren, das bier, den schwan, den schnee und dass ich schon wieder nichts brauchbares erlebt habe. was gelogen ist, ich erleb ständig zeug. etwa am denkmal für die revolutionären matrosen gleich nebenan, bei dem es 2016 noch hieß, bis zum stadtjubiläum diesen juni sei es saniert, ja, ich finds cool so, riecht halt, erzähl ich aber ein andermal, vielleicht. 🔖 #60tagerostock

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