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Der Rhythmus einer großen Stadt

Kannst du’s hören?
Spürst du es?
Das leise Zittern in der Luft
In der Stille dieses Raums
Ein Puls der durch die Wände geht
Ein Sturm der um die Häuser weht
Es pocht, es flackert, stockt und rast
Der Rhythmus einer grossen Stadt
– Rhythmus Berlin

Kante: Der Rhythmus einer großen Stadt (Prolog) in: Kante Plays Rhythmus Berlin, Edition Kantine 2007.

umbruch, notiz #240120

darf man vielleicht keinem sagen, vor allem nicht in berlin, aber ich liebe aufbruch, umbruch, übergang und provisorium. wenn der mensch plötzlich nicht mehr zu den orten passt und der ort nicht mehr zu den menschen. wenn bilder und geschichten (allein ja nur) dadurch entstehen, dass man sich selbst neu verorten muss, untereinander und jeden tag. bei menschen, die mit dem verweilen in einem früher die möglichkeit der erschließung neuer gedankenfelder, diskussionsorte erschweren, sehe ich oft angst und den wunsch nach beständigkeit. nach einem «das muss jetzt aber mal» und «ich will auch mal ruhe». ich hab auch angst. ich hab gerne meine ruhe. ich hätte manches auch gerne anders in meinem leben. und mein päckchen, das ich mit mir rumtrage, hat seine ganz eigene schwere. aber das ist okay. weil heute nicht wie gestern und morgen nicht wie heute sein wird. weil ich bereit bin, altes einzureißen und neues aufzubauen. weil ich – endlich – gelernt habe, dass reden hilft und baustellen mich neugierig machen, mich auf ihre eigenästhetische art und weise freudig stimmen. und weil ich in einer gesellschaft leben möchte, die den umbruch zelebriert, rückschläge feiert und am lernprozess freude empfindet. die auf forschungsergebnisse gespannt ist, die in zehn jahren wieder revidiert werden, was dann wiederum gefeiert wird, denn wir verändern uns ständig und in allen bereichen und das für sich annehmen zu lernen, ist das, was diversität ausmacht.

Samstags in der Reihe 2

Sie sitzt an einem Tisch rechts außen neben der Küche des vietnamesischen Imbisses. Es ist Mittagszeit, vor ihr liegt eine Tüte Münzgeld. In etwa gleich gefüllt sind da auch drei Plastikschälchen. Routiniert stippt sie die Münzen auf die nachgiebigen Tellerchen. Es klingelt und ratscht bis unter die spitz zulaufende Decke; schnell fügt sich der rhythmische Sound in den samstäglichen Markthallenbeat. Umgeben von verblichen bezogenen, dunkel-schweren Stühlen wirkt sie – mit ihrem Kochhut auf dem Kopf und der Schürze um den Leib – wie eine mittelständische Variante von Aschenputtel, dem die grimm’schen Tauben pragmatischere Geschenke gemacht haben als schöne Kleider und goldene Pantoffel.

Ihr Blick hebt sich, ab und an, zur Begrüßung von Stammgästen oder ins Leere, da, wo einmal der Stand von Fleischer Hoffmann war. Sie sieht rot eingefasste, weiße Fliesen und einen vergessenen Boiler. Unter wärmenden Strahlern stehen lose auf eine Linie gestellt weiße Stühle, gehalten im modernen Interieur-Stil französisch-konnotierter Kaffeehäuser. Dazu der Hinweis, es werde bald wieder Fleisch geben und auch vom Lande, ja, aus Brandenburg. Von Zugluft geleitet, weht der plastikrote Fleischervorhang rüber zum Ausgangsbereich von Norma.

Hey Chefin, ruft da der Caffè-Betreiber, seine Handflächen gespreizt auf der hohen Glastheke. Wie bereit zum Hürdensprung, lehnt er sich vor und sagt zur münzsortierenden Frau: Alles gut? Und: Kannst mir alles geben. Dabei grinst er, geübt, der alltägliche Gruß. Sie schaut auf die Münzen, dann nickt sie, nachbarschaftlich.

12:56 Uhr
Berlin, Arminius-Markthalle

moabiter feierabend

am morgen lecke ich dein müdes haupt,
ich bin dir tier in guter kleidung

was soll ich denn anfangen mit mir, sagst du. denn, sagst du, wenn ich nicht arbeite, dann sitz ich nur rum. dann sitz ich zuhaus und komm ins denken. ins denken komm ich und ins sehnen. du, sagst du, man sehnt sich nicht gut, im denken und dann auch noch bei sich, zuhaus. ich glaub ja schon an die milde der zeit und ja! an unseren kuss in der bremer straße, an den auch. aber dann ist wieder schichtbeginn, ich leck dir miefig dein müdes haupt und, sagst du, dann bin ich dir eben auch nur das: ein tier, in guter kleidung.

ich wollte