Die Möwe

TRIGORIN
Ich habe nichts begriffen. Aber ich habe mit Interesse zugesehen. Ich habe Ihnen jedes Wort geglaubt. Und das Bühnenbild war schön.

Anton Tschechow: Die Möwe. Rowohlt E-Book 2014.
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Nichts als Blüten und Wörter

Meine Hände in seinen Hosentaschen, er presst mich an seinen Bauch, mein plapperndes Blut erwacht zu unserer schlaflosen Nacht, wir lassen den Tag draußen vor der Tür. Seit unserer Ankunft habe ich den Körper einer anderen. An diesem Abend habe ich Kaffee gemacht. Der Zucker klebt mir in den Augen und ich habe keine Ahnung, wie du es anstellst, es hinter meinem Rücken zu erkennen.

Nicolas Clément: Nichts als Blüten und Wörter. Aus dem Französischen von Bernadette Ott. Mit einem Nachwort von Roman Lach. Erste Auflage. Berlin: Ripperger & Kremers Verlag, 2016. S. 53.

Das Büro I: Direktor Beerta

Die Kopfschmerzen dauerten bis zum Abend des folgenden Tages an. Danach fühlte er sich ungewöhnlich klar. Er sah seine Zukunft in einem scharfen Licht, ohne jede Illusion. Es gab keinen Ausweg. Man wird älter. Man muss leben. Wenn man unabhängig bleiben will, muss man eine Arbeit haben. Es schien eine schlüssige Begründung, und doch suchte er weiter nach einer Öffnung, um zu entwischen, wie eine Ratte, die an den Wänden ihres Käfigs entlangrennt, anstatt sich damit abzufinden, dass der Raum fortan kleiner sein würde.

J. J. Voskuil: Das Büro. Direktor Beerta. Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. München: Verlag C. H. Beck, 2012. S. 88.

Kleiner Versager

Du bist nicht das, was du willst. Du bist das, was dich ebenfalls will.

Gary Shteyngart: Kleiner Versager. Aus dem Englischen von Mayela Gerhardt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2015. S. 350.

Takeshis Haut

Manche Orte bewohnst du nicht, sie bewohnen dich. Haben sich mit Fundament in dich hinein gesetzt. Sie werden bleiben. Du bist eine wirre Architektur in weiter Landschaft, hier und da eine Aussicht.
 
Lucy Fricke: Takeshis Haut. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2015. S. 115.

Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Ich war streckenweise so übel drauf wie seit der Pubertät nicht mehr und habe beinahe drei Mead-Kladden vollgeschrieben bei dem Versuch, herauszufinden, an wem es denn nun lag, an ihnen oder bloß an mir.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Deutsch von Marcus Ingendaay. marebibliothek. Autoren erzählen ihre Geschichten vom Meer. Herausgegeben von Denis Scheck. Band 1 (5. Auflage). Hamburg: marebuchverlag, 2002. S. 10.

Die letzte Kränkung

Ich fuhr aus meinen Gedanken auf, und das Abendläuten machte den Hafen zum wirklichen Ort einer fassbaren Welt, in der Zeit verstrich, während man angelnden Kindern zusah und ein Glas Rotwein nach dem anderen trank, einer Welt, in der Schiffe abfahren, um wieder anzukommen, und ankommen, um wieder abzufahren, und nicht um dem Trinkenden zu bedeuten, wie vergebens all seine Hoffnungen und Erwartungen sind.

Christopher Ecker: Die letze Kränkung. Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2014 . S. 6f.

Astragalus

Sie haben eine Stunde auf mich gewartet? Ich zwei. Woanders und nicht auf Sie, aber was soll’s? Einer von euch schuldet mir eine Stunde.

Albertine Sarrazin: Astragalus. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Mit einem Nachwort von Patti Smith. (Frz. Original: L’astragle. Paris: Pauvert, 1965.) Berlin: Hanser Verlag, 2013. S. 152.

Der Holzvulkan

wir teilten uns einen Quadratmeter Welt

Hans Plechinski: Der Holzvulkan. Ein deutscher Festbrief. Mit einem Nachwort von Gustav Seibt. München: C.H. Beck textura, 2014. S.68.