Schnee schmilzt

Wagemut

Wie Kiezgrößen entstehen – Eine Gebrauchsanweisung

Nimm ein Viertel, nicht groß. Ein Viertel kann schon eine Straße sein. Das ist legitim, ist mir mehrfach untergekommen. Wer das Ziel hat, schnell Bekanntheit zu erlangen, der suche sich am besten ein Ein-Straßen-Viertel. In der Straße sollte man aber nicht wohnen. Man hat ja nicht immer Muße, erkannt zu werden. Eine Wohnung in einer Nebenstraße ist oft günstiger und verstärkt das Mysterium um einen selbst (wo wohnt er/sie bloß?) und damit – natürlich – den Bekanntheitsgrad.

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Takeshis Haut

Manche Orte bewohnst du nicht, sie bewohnen dich. Haben sich mit Fundament in dich hinein gesetzt. Sie werden bleiben. Du bist eine wirre Architektur in weiter Landschaft, hier und da eine Aussicht.
 
Lucy Fricke: Takeshis Haut. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2015. S. 115.

12:22 Uhr, ein Café in Kiel

– Es geht nicht mehr. Ich muss abnehmen. Ich habe jetzt einen Trick.
– Welchen?
– Wenn ich Schokolade esse, also Duplo vielleicht, beiße ich ein Stück ab und dann lege ich den Rest weg. Ganz weit weg. Ich wohne im zweiten Stock, ich laufe dann oft runter und lege das Duplo in den Briefkasten, und hole es erst am nächsten Tag wieder raus.
– Ach…

Im Wasser

Im Wasser bin ich unter Algen, später
trocknen meine Brüste hellgrün
die Kälte liegt am Boden
und eine Ameise krabbelt in mein Ohr
für ein wenig Zeit will ich nicht reden
das hat mein Kopf nicht verstanden

Ellbogen

Es gibt nichts, dass ich mehr hasse, als warten zu müssen. Man malt sich so viele Dinge aus und weiß doch, dass man am Ende nur enttäuscht wird.

Fatima Aydemir: Ellbogen. München: Carl Hanser Verlag, 2017. S. 31.

Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Ich war streckenweise so übel drauf wie seit der Pubertät nicht mehr und habe beinahe drei Mead-Kladden vollgeschrieben bei dem Versuch, herauszufinden, an wem es denn nun lag, an ihnen oder bloß an mir.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Deutsch von Marcus Ingendaay. marebibliothek. Autoren erzählen ihre Geschichten vom Meer. Herausgegeben von Denis Scheck. Band 1 (5. Auflage). Hamburg: marebuchverlag, 2002. S. 10.